Hintergrund & Inspiration

“Musik ist alles, was hörbar ist, sie umfasst die Klänge und Geräusche innerhalb und außerhalb von Konzertsälen“. (John Cage)

1952 hat der amerikanische Komponist John Cage (1912-1992) in seinem Stück 4`33 Alltagsklänge auf grandiose Weise musikalisch inszeniert. Das Stück, geschrieben für ein Klavier, besteht aus drei Sätzen ohne Noten mit der einzigen Anweisung „Tacet“ -„Er, Sie, Es Schweigt“. Das Stück gilt als Wegbereiter für die experimentelle Musik und wird bis heute in Konzerthäusern oder an öffentlichen Plätzen aufgeführt. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer richtet sich auf die (Alltags-) Geräusche, die anstelle des Konzerts zu hören sind.

 

O o ° o O ° O o ° o   °

 

„Deep Listening bedeutet auf jede erdenkliche Art zu lauschen, egal was man tut. Dieses intensive hören schließt den Klang des täglichen Lebens mit ein, den der Natur, den der eigenen Gedanken und der musikalischen Klänge.“ (Pauline Oliveros)

Pauline Oliveros (1932-2016) war eine amerikanische Komponistin, zählte zu den Pionieren elektronischer Musik, war bekannt als kulturelle Aktivistin und Hörpädagogin. Deep Listening ist nach Pauline Oliveros nicht nur eine ganzheitliche Form des Zuhörens sondern eine auditive Lebenspraxies und Idiologie. Dabei ist das bewusste Zuhören kein passives konsumieren, sondern ein aktives Teilnehmen.

„Dem Raum zuzuhören verändert ihn und ein sich verändernder Raum verändert das Zuhören.“ (Pauline Oliveros)

 

O o ° o O ° O o ° o   °

 

“Hören ist eine Art von Berührung aus der Ferne, und die Intimität des Hörens verbindet sich mit dessen gemeinschaftsstiftenden Kraft, wenn Menschen zusammen kommen, um etwas spezielles zu hören.“  (R.Murray Schafer)

Für den Komponisten, Klangforscher und Hörpädagogen R.Murray Schafer ist unsere gesamte akustische Umwelt eine große musikalische Komposition. Im Zentrum seiner Überlegung steht der Mensch und sein Einfluss auf den weltlichen Klang. Er beschreibt den Begriff Soundscape (Klanglandschaft) als eine Gesamtheit aller akustischen Ereignisse an einem Ort, zu denen er Naturklänge, Alltagsgeräusche, Sprache und Musik zählt.

„Klang ist Bewegung“ (R.Murray. Schafer)

Ende der 1960er Jahre gründet Schafer das World Soundscape Projekt (WSP) um die drastischen Veränderungen unserer Klanglandschaften durch den wachsenden Lärm von Industrie, Maschinen, Auto- und Flugverkehr zu erforschen. Schafer entwickelte während seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit zahlreiche Methoden für eine Schule des Hörens. Soundwalks (Hörspaziergänge) gehörten bei ihm sowohl zur Forschung wie auch zu seiner Lehrtätigkeit als Komponist.

 

IMG_0651 snap01